Den Welttag der Schlange soll als Anlass dienen, dieses faszinierende Tier in den Fokus zu rücken und dabei gleichzeitig die Haltung von Reptilien zu beleuchten. Neben Schlangen erfreuen sich auch Schildkröten, Gekkos und Leguane großer Beliebtheit und dienen in heimischen Wohnzimmern als exotischer Blickfang. Doch wie ergeht es den außergewöhnlichen Eyecatchern in ihren Terrarien, die leider oft mehr als Dekoration denn als lebendiges Wesen wahrgenommen werden?
Um die Schlange ranken sich Mythen und Ängste
Schon in der Bibel taucht sie auf, eine Schlange, die auf mystische Art und Weise die Menschen verführt. Der Biss in den Apfel, zu dem das Kriechtier Eva verführt, hat die Vertreibung aus dem Paradies zur Folge – aber auch die Erkenntnis von Gut und Böse, zumindest in der Überlieferung.
Bereits in dieser alten Schrift wird die Schlange als schlau, gleichzeitig auch listig und gefährlich dargestellt. Vielfach wird sie sogar mit dem Teufel gleichgesetzt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Menschen von Schlangen gleichermaßen fasziniert sind, sie aber auch fürchten.
Schlangen existieren in mehreren tausend Arten fast auf der ganzen Welt. In Deutschland sind lediglich sieben Arten heimisch, die allerdings meist nicht in Terrarien ausgestellt werden. Gewünscht sind bunte, möglichst außergewöhnliche Tiere – dass auch die Ansprüche der Schlangen an ihre Haltung nicht gewöhnlich sind, wird schnell vergessen. Gigantische Würgeschlangen wie der Python gelten vielfach als Statussymbol, während sogenannte Morphen gezielt aufgrund von Modetrends gezüchtet werden. Diese farblichen Varianten erzeugen für die Tiere erhebliches Leiden, während sie auf meist viel zu engem Raum ihr Dasein fristen.
Die Schlange leidet lautlos
Wo sich Schlangen in der Natur frei durch ihre Lebensräume bewegen, teilweise schwimmen, sich sonnen, auf Bäume klettern oder im Dickicht ein Versteck finden, leiden sie selbst in größeren Terrarien stumm vor sich hin. Stereotypisches Verhalten wird kaum erkannt und die Schlange kann einer falschen Mischung aus Feuchtigkeit und Temperatur im Terrarium niemals entfliehen.
Darüber hinaus werden auch die jagdlichen Bedürfnisse der cleveren Raubtiere nicht befriedigt. Für manche Halter ist die Lebendfütterung von Mäusen ein grausames Spektakel – dabei können sich Schlangen sehr wohl an die Totfütterung gewöhnen.
Wir sehen also Qual und Leid bei allen Beteiligten – außer beim Menschen. Sicher sind die Plakate an Laternenmasten und Litfaßsäulen bekannt, wenn die nächste Reptilienmesse in die Stadt kommt. Auf diesen Reptilienbörsen wird ein skrupelloser Handel mit lebendigen Exoten betrieben. In viel zu kleinen Plastikschachteln haben die Tiere einen qualvollen Transport hinter sich, bevor ihnen ein Leben als „pflegeleichtes“ Haustier bevorsteht. Oftmals wild gefangene Schlangen sterben allerdings schon während des Transportes, aber dieser Ausschuss ist einkalkuliert.
Mensch, den Unterschied zwischen Gut und Böse kennst du doch
Wenn man einmal darüber nachdenkt, dass gerade die Schlange laut biblischer Erzählung den Menschen die Erkenntnis brachte, erscheint deren Handel und Haltung nochmals grausamer. Die Augen lassen sich so schön leicht davor verschließen, was rund um die Haltung von Reptilien alles im Argen liegt. Wo Tiertransporter auf der Autobahn zumindest sichtbar für kurze Momente des Mitgefühls sorgen, sieht niemand die im Kofferraum verpackten Tiere auf ihrem Weg in Zoohandlungen oder auf Börsen. Auch das Leben im Terrarium ist nur für wenige Menschen sichtbar, das Tierleid kaum erkennbar.
Die Schlange hat den Menschen zum Biss in die Frucht vom Baum der Erkenntnis animiert – scheinbar genügt ein Bissen nicht, um die offensichtliche Misshandlung von Mitgeschöpfen zu erkennen und zu beenden.

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