Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover zeigt dem Tierschutz und der Nachhaltigkeit den Rücken – ein Offenbarungseid?

Kommentar des Deutschen Tierschutzbundes Landestierschutzverband Niedersachsen e.V. zur Analyse des Tierschutzes in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover durch die Initiative „Will-Kirche-Tierschutz1.

Im Landestierschutzverband Niedersachsen haben sich Tierschützer:Innen organisiert, die von verschiedensten christlichen wie moralischen Grundgedanken und Ansichten geprägt sind. In einer nunmehr von der Initiative „Will-Kirche-Tierschutz“ veröffentlichte Bestandsaufnahme zum Thema „Tierschutz-Standards in der Kirche“ bildet die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover das Schlusslicht – ein Umstand, der uns mehr als nachdenklich stimmt.

Die Ergebnisse stehen aus Sicht des Tierschutzes, aber auch aus Arten- und Naturschutzsicht in einem krassen Gegensatz zur Ausrichtung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Deutschland (EKD) zur Bewahrung der Schöpfung. Somit hat sich die Landeskirche Hannover ihren letzten Platz im Ranking der Initiative „Will-Kirche-Tierschutz“ gegenüber anderen Landeskirchen und Bistümer offenbar verdient.

Bereits in der ältesten biblischen Tradition als auch in der evangelischen2 und katholischen3 Theologie werden Tiere zweifellos als Mitgeschöpfe des Menschen beschrieben, ohne Unterscheidung zwischen Wildtier, Nutztier und Haustier.

Die Kirchen der EKD haben bereits 1991 biblisch-theologische Perspektiven »Zur Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf« in einem Diskussionsbeitrag zusammengefasst4, gefolgt von mehreren anderen pioniermäßig herausragenden tierethischen Studien aus verschiedenen Landeskirchen5.

Hier wurde die Gemeinsamkeit von Mensch und Tier als Geschöpfe beschrieben und als erste maßgebliche Einsicht die These formuliert, dass das Tier nicht allein auf seinen Nutzwert für den Menschen reduziert werden kann.

Zuletzt wurde im September 2019 in einem EKD Text Nr. 133 zu dem Thema „Nutztier und Mitgeschöpf!“6 Kernforderungen für eine nachhaltige Nutztierethik formuliert: „(…) dass es an der Zeit ist, neue biologische, philosophische und tierethische Einsichten im Blick auf das Tier-Verständnis, die eine verdinglichende und mechanistische Sicht weit hinter sich lassen, im All- tags- und Ernährungsbewusstsein der Bevölkerung stärker rezipiert und auch für den landwirtschaftlichen Umgang mit Nutztieren geltend gemacht werden. Die Aufspaltung zwischen Haustier-(Kuscheltier-)Ethik und Nutztierethik muss überwunden werden (…).

Im Ergebnis formuliert die EKD: Tiere sind Mitgeschöpfe, die mit Respekt behandelt und geschützt werden müssen, anstatt sie auf eine niedrigere Stufe zu stellen, um sie auszubeuten.

Hierzu Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Niedersachsen e.V.: „Um unseren tierlichen Mitgeschöpfen ein Leben frei von haltungsbedingten Beschwerden, Schmerzen, Angst, Verletzungen und Krankheiten zu ermöglichen, bedarf es als Christ einer großen Portion Mut, sich gegen die sogenannten „Tiernutzer“ und deren wirtschaftlichen Interessen zu Lasten der artgerechten Tierhaltung zu stellen.“

Und an eben diesem Mut und dem Einstehen für unsere Mitgeschöpfe fehlt es bei den Entscheidungsträgern der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover. Die Gründe sind vielschichtig und klingen in der Analyse der Initiative „Will-Kirche-Tierschutz“ offenkundig an.

Ruhnke weiter: „Es ist an der Zeit, dass sich die Landeskirche Hannover den Veränderungsprozessen des 21. Jahrhunderts zum Wohl der Tiere und Umwelt stellt. Die Beharrlichkeit und das Durchhaltevermögen, welches seitens der Landeskirche Hannover an den Tag gelegt wird, um sich diesen Veränderungen zu entziehen, sollte diese mit ihren Kirchenmitglieder sowie der Einrichtungen der Landeskirche Hannover, wie z.B. Kitas, Schulen, Senioren- und Pflegeheime, dafür nutzen die regionale Wertschöpfungskette zu unterstützen, um die Klimaziele zu erreichen, sowie insbesondere die Landwirte:Innen zunächst zu unterstützen, die ihre Tiere in den Haltungsformen 4 und 5 des Lebensmitteleinzelhandels halten.“

[1]                 

https://will-kirche-tierschutz.de/evangelisch-lutherische-landeskirche-hannovers/ 

Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, die Beschaffungskriterien der beiden großen deutschen christlichen     Amtskirchen für Tierprodukte öffentlich zu dokumentieren und zur Förderung des Tier- und Umweltschutzes             sowie zur Reduktion von tierlichen Produkten im            Sinne einer gesunden Ernährung voranzubringen

[2]           

Vgl. Rainer Hagencord: Gott und die Tiere. Ein Perspektivenwechsel, Regensburg 2018.

[3]             

Vgl. Simone Horstmann et al.: Alles, was atmet. Eine Theologie der Tiere, Regensburg 2018; ebenso: Michael Rosenberger: Der Traum vom Frieden zwischen Mensch und Tier: Eine    christliche Tierethik, München 2015.

[4]           

Evangelische Kirche in Deutschland: Zur Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf. Ein Diskussionsbeitrag des Wissenschaftlichen Beirats des Beauftragten für Umweltfragen des Rates der    EKD, 1991², EKD-Texte 41;             https://www.ekd.de/tier_1991_tier2.html.

[5]           

Stellungnahme der Kirchenleitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, 2005;http://www.kda-nordelbien.de/index.php/tierethik/206-ethos-der-  mitgeschoepflichkeit.html

Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg: Mitgeschöpflichkeit in der Nutztierethik. Ethisch eImpulse,2015;                https://www.kirche- oldenburg.de/fileadmin/Redakteure/PDF/PDFs_2015/ELKiO-Synode-11 – 2015- Nutztierhaltung.pdf; dazu auch: Stellungnahme der Synode der Evangelisch-­Lutherischen Kirche in Oldenburg zu diesem Impulspapier von 2017.

[6]  https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/ekd_texte_133_2019.pdf