Am zweiten Freitag im Juli wird jährlich weltweit der Ehrentag der Kuh gefeiert, wobei in unseren Breitengraden die überwiegend als Nutztier gehaltenen Wiederkäuer meist keinen Grund zum Feiern haben.
Wir möchten an diesem vermeintlichen Ehrentag auf die Haltung von Milch- und Schlachtvieh hinweisen, die überwiegend nicht auf die Einhaltung von Tierschutzstandards ausgerichtet ist, sondern nur auf Gewinnmaximierung. In landwirtschaftlichen Betrieben werden Milchkühe auf Höchstleistung gezüchtet, während sie sich im Zeitraum ihrer „Nutzung“ im wahrsten Sinne des Wortes auszehren.
Jährliche Besamung – denn ohne Kalb keine Milch. Damit die Mutterkuh jährlich bis zu 10.000 Liter Milch „produzieren“ kann, wird ihr kurz nach der Geburt (je nach Betrieb zwischen 3 Stunden oder 3 Tagen) das Kalb genommen – für Mutter und Kind ein von der Natur absolut nicht vorgesehener Zustand. Die Mutter erlebt dies während ihrer Lebenszeit als Spitzenproduzentin immer wieder, bis ihre Milchleistung nachlässt. Derart hohe Leistungen können Kühe übrigens nicht nur mit frischem Gras von der Wiese erbringen, sondern benötigen dafür große Mengen Kraftfutter, um während ihrer Ausbeutung nicht selbst zu verhungern. Nach diesem „Leben“ wartet dann der Schlachthof, der hoffentlich nicht allzu weit vom Hof entfernt liegt – ansonsten folgt eine letzte, lange und quälende Fahrt in einem Tiertransporter.
Würden wir Menschen bei unseren täglichen Einkaufs- und Ernährungsentscheidungen häufiger nicht zu Milch und Milchprodukten, Käse, Sahne oder Butter, sondern zu pflanzlichen Alternativen greifen, könnte dies einigen Tieren ein solches Leben ersparen. Die milchverarbeitende Industrie sowie der Handel würden die veränderte Nachfrage erkennen und das Angebot an Milchprodukten würde zwangsläufig immer geringer werden.
Wie betrachtet wohl das Schlachtvieh das Leben einer Milchkuh?
Steak, Rinderrouladen, Entrecôte – Rindfleisch zählt zu den beliebtesten und hochwertigsten Fleischsorten, die auf Speisekarten, auf dem Grill oder dem heimischen Teller äußerst gern gesehen sind. Doch was haben diese Köstlichkeiten erlebt, bis sie medium rare oder well done verspeist werden?
Das männliche Kalb, das wie seine weiblichen Leidensgenossinnen kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt wird, hat die Perspektive auf ein kurzes Leben. Ist beschlossen, dass er für zartes Kalbfleisch verwendet werden soll, wird der kleine Bulle nicht einmal das Erwachsenenalter erreichen. Lediglich kleine Bullen in der Mutterkuhhaltung dürfen 6 bis 10 Monate bei der Mutter bleiben, bevor die Schlachtung ansteht.
Etwas länger dürfen Bullenkälber leben, die aufgrund ihres Geschlechtes für den Milchviehbetrieb nicht geeignet sind. Ihnen blüht eine Zukunft in einem Mastbetrieb, an den sie möglichst schnell verkauft werden. Für Milchviehbetriebe selbst sind männliche Kälber nämlich eine Belastung – Milchvieh setzt nicht genügend Fleisch an und es gibt ein Überangebot männlicher Kälber. Weil sie praktisch keiner haben will, wird für sie so wenig Geld gezahlt, dass dies selbst die Kosten der möglichst kurzen Aufzucht nicht deckt.
Der erste Ausflug des jungen Bullen erfolgt dann in seinem ersten Tiertransporter, der nicht selten über viele Kilometer bis hin ins Ausland führt. In der sogenannten Kälbermast steht das Tier dann mit sehr vielen Artgenossen in einem Stall und muss Antibiotika nehmen – die Gefahr durch übertragbare Krankheiten ist zu groß. In dieser Haltung lebt der junge Bulle, bis er im Alter von 1 bis 2 Jahren als schlachtreif nach erfolgreicher Mästung gilt. Der letzte Ausflug nach einem Leben im Stall führt wiederum auf einem Tiertransporter in den Schlachthof.
Ehrentag der Kuh – wovon wir uns nicht blenden lassen dürfen
Idyllisch wirkende Almauftriebe, glückliche Kühe auf grünen Wiesen oder die heilige Kuh, freilebend in Indien auf den Straßen. Wirkliche Ehrung erfährt der Großteil unserer als Nutztier gehaltenen Kühe in der Landwirtschaft leider nicht.
Es ist daher umso wichtiger, dass wir gegen schlimme Haltungsformen wie die Anbindehaltung vorgehen, gegen Tiertransporte demonstrieren und mit allen Mitteln für eine bessere Haltung einstehen. Eine Kuh ist ein Herdenwesen mit komplexen, sozialen Beziehungen – keine Ware, die lediglich als wirtschaftliche Kennziffer ein unwürdiges Leben fristen darf.