Frohes neues Jahr 2018

Ein Jahr liegt hinter uns, in dem uns – stärker vielleicht als sonst – das Gefühl der Veränderung erfasst hat, da sich die politische Situation für den Tierschutz in Niedersachsen grundsätzlich geändert hat. Wie sich der Tierschutz unter der neuen Landesregierung entwickeln wird, und welche Auswirkungen dies für unsere Tierschutzvereine hat, ist derzeit noch nicht abzusehen. Fakt ist: Es wird auch zukünftig nicht einfacher werden, dem Staatsziel Tierschutz weiter Geltung zu verschaffen

Tiere sind heute unter anderem Freund, Gefährte, Kamerad, Vertrauter und in manchen Berufen sogar Arbeitskollege. Aber leider dienen die Tiere uns Menschen auch als exotischer und unterhaltender Adrenalinkick, als Schuhsohle, als Pelzkragen, als Bestandteil eines Gummibärchens oder als ein in Kunststofffolie eingepackter Brocken Fleisch – nicht immer ist uns als Mensch diese Verbindung zum Leiden der Tiere bewusst.

Die Vielfalt dieser Beziehungen zum Tier fordert insbesondere uns als Tierschützer heraus, indem wir zu jeder Zeit unserer Verantwortung gegenüber unserem Mitgeschöpf gerecht werden und ein achtsames Verhalten im Umgang mit Tieren wahrnehmen. Dazu gehört auch, dass wir die Tötung von Tieren als bewussten Akt des eigenen Handelns mit verantworten müssen, wenn wir nicht auf tierische Produkte verzichten.

Mehr Rechte für den Tierschutz

Seit 2002 steht der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz sowie in der Landesverfassung und sollte Ansporn sein, dem Tierschutz in Deutschland endlich einen größeren Stellenwert zu verschaffen. Tatsächlich sieht die Realität oft anders aus. Allein in Niedersachsen werden rund 85 Mio. Hühner, 11 Mio. Enten, 8,5 Mio. Schweine, 5,3 Mio. Puten und 2,6 Mio. Rinder gehalten und geschlachtet – teilweise werden die Tiere sogar als Abfall entsorgt. Weiterhin leben rund 1,3 Mio. Hauskatzen, 87.000 Hunde und 49.000 Kleintiere in niedersächsischen Haushalten. All dies stellt Tierschutzvereine vor gewaltige Herausforderungen: durch die Unterbringung und Versorgung (inkl. tierärztlicher Leistungen) von Haustieren, aber auch durch immer mehr Missstände in der Tierhaltung.

Tierschutz für alle Tiere

Wir müssen uns noch stärker gegen die vorherrschende Ignoranz gegenüber unserer Umwelt und dem Leiden von Tieren positionieren. Das beginnt bereits beim täglichen Einkauf: Fleisch, Wurst, Joghurt, Milch – muss wirklich immer alles billig sein? Tierschutz beginnt im Einkaufswagen. Und es geht noch weiter: Der hübsche Pelzbesatz an einer Jacke, der leckere Hamburger aus dem Fastfood-Restaurant oder die gut riechende Duschcreme bedeuten oft immenses Tierleid – und darüber muss aufgeklärt werden.

Tierschutzarbeit geht an die Grenzen der Belastbarkeit

Der Landesverband unterstützt die 72 niedersächsischen Tierschutzvereine, um eine erfolgreiche und nachhaltige Tierschutzarbeit zu leisten. Mit unserer Erfahrung und unserem „Know-How“ werden wir weiter unseren Beitrag zur Verbesserung des Tierschutzes leisten. Die wertvolle Tierschutzarbeit muss mehr in den gesellschaftlichen Mittelpunkt gestellt werden. Hierbei ist auch auf die psychische Belastung hinzuweisen, der unsere ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder ausgesetzt sind. Tierschutz bedeutet, sich mit einer Vielzahl von Tierschicksalen auseinander zu setzen, und diese Schicksale sind häufig auch mit menschlichen Abgründen verbunden.

Verbraucher haben die Macht

Die Medien haben mittlerweile die Thematik Tierschutz aufgenommen. Missstände in der Haltung von Tieren werden einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei stehen zwar die Tiere in der Agrarwirtschaft im Mittelpunkt, aber auch die Themen Tiere in Zoo und Zirkus, die Jagd, die Exotenhaltung und die Heimtierhaltung gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Ohne den Druck der Öffentlichkeit wird sich aber nichts ändern, und daher sind wir gefordert, durch unsere Aufklärungsarbeit auf Missstände im Umgang mit unseren Mitgeschöpfen hinzuweisen, immer wieder anzuprangern und nicht locker zu lassen!

Gerade in Zeiten der Unsicherheit wissen wir als Landesverband, das zuverlässige Wirken Ihrer Vereine mit Ihren vielen haupt- und ehrenamtlichen Tierschützern zu schätzen –  nicht, weil Sie aus unserer Sicht etwas Außergewöhnliches tun, sondern weil Sie das Gewöhnliche außergewöhnlich gut tun!

Ihnen allen wünsche ich ein gesundes, glückliches und gesegnetes neues Jahr.

Dieter Ruhnke

Vorsitzender