Niedersachsen und Bayern erhalten in erster Instanz keinen Aufschub beim Thema Ferkelkastration

Der Deutsche Tierschutzbund hatte den Agrarausschuss des Bundesrates aufgefordert, klar für das bestehende Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab 2019 einzustehen. Der Verband hatte sich mit einem Schreiben an die Ausschussmitglieder gewandt und an sie appelliert, gegen die Anträge aus Niedersachsen und Bayern zu stimmen – mit Erfolg. Der Anträge haben keine Mehrheit erhalten.


„Ein weiteres unnötiges Leiden von rund 100 Millionen Ferkeln durch die Aufweichung des Tierschutzgesetzes zu verursachen, widerspricht dem Staatsziel Tierschutz ebenso wie dem ethischen Empfinden der Menschen in Deutschland eklatant. Es muss bei der vor vielen Jahren beschlossenen gesetzlichen Frist der Betäubung mit Schmerzausschaltung ab 1.1.2019 bleiben“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
„Das sind gute Nachrichten, die uns aus dem Agrarausschuss erreichen; eine erste Hürde ist genommen. Wir können jetzt nur an das Plenum des Bundesrates appellieren, sich in der Sitzung am 21. September ebenso zu entscheiden und für das bestehende Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab 2019 einzustehen. Es darf nicht sein, dass die Politik vor der Branche einknickt und die Ferkel fünf weitere Jahre leiden müssen, obwohl tierschutzgerechte Alternativen existieren und es ausreichend Zeit für eine Umstellung gab“, erklärt Dieter Ruhnke, Vorsitzender vom Landestierschutzverband Niedersachsen in einem NDR-Interview.

Branche hatte Zeit genug
Ein Verbot der betäubungslosen Kastration ab 2019 wurde bereits im Jahr 2013 beschlossen. „Die Tiernutzer fahren nun ihre alte Taktik“, so Ruhnke. „Sie reizen festgelegte Fristen bis zum letzten Tag aus und vertrauen darauf, dass der devote Gesetzgeber ihnen schon eine Fristverlängerung gönnen wird. Soweit darf es nicht kommen – die Politik muss dem einen Riegel vorschieben und am Verbot, so wie es beschlossen wurde, festhalten. Die Branche hatte Zeit genug und es gibt drei praktikable und tierschutzgerechte Alternativen.“

Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes spielt die Branche auf Zeit, um den sogenannten „vierten Weg“, die Lokalanästhesie, als weitere Alternativmethode zur betäubungslosen Ferkelkastration zu etablieren. Diese Methode erfüllt jedoch nicht die Vorgaben des Tierschutzgesetzes und ist aus Tierschutzsicht strikt abzulehnen. „Bei der Lokalanästhesie ist keine Schmerzausschaltung gegeben. Zudem verursacht sie bei den Ferkeln durch Spritzen direkt in den Hoden zusätzlich Stress und Schmerzen. Das ist seit Jahren bekannt, die Branche hat sich mit dieser Methode verrannt“, sagt Ruhnke.